Ausstellung: Wim Wenders “4REAL & TRUE2”

„Landschaften. Photographien.“ so der Unterteil der Ausstellung des fotografischen Werkes von Wim Wenders, die ich wortwörtlich lange links liegen gelassen habe. Denn der tägliche Weg in mein Büro führt mich stets entlang des Museum Kunstpalast an der Düsseldorfer Rheinuferstrasse. „Landschaftsfotografie ist maximal weit weg von Straßenfotografie“ dachte ich — und lag damit selbst maximal daneben, wie ich nach meinem Last-Minute-Besuch am 27. August feststellen musste.

Besucher vor Wim Wenders: “Potsdamer Platz 1995” — alle Ausstellungsstücke waren sehr großformatig. Foto von Sven Hoffmann

Besucher vor Wim Wenders: “Potsdamer Platz 1995” — alle Ausstellungsstücke waren sehr großformatig. Foto von Sven Hoffmann

„Ich bin ausgesprochen zufrieden, nur ein Fotograf von Orten zu sein.“ – Wim Wenders

Mit diesem Satz von Wim Wenders beginnt der Audio-Guide zur Ausstellung. „Und nicht von Menschen.“ möchte man sinngemäß ergänzen und hat damit den Kern seines fotografischen Schaffens getroffen: ganz ähnlich wie bei Portraits geht es ihm um die Geschichten von Orten, die er besucht und mit der Kamera festgehalten hat.

Wenders zeigt uns Orte, die verlassen sind: Geisterstädte des mittleren Westens der USA. Ein einsames, verrostendes Riesenrad als Überbleibsel der russischen Armeekasernen in Armenien. Oder der mit Radioaktivität verseuchten Gegend um Fukushima, Japan. Immer schwingt Melancholie mit, immer sind seine Fotos fast wie gemalt.

Panorama Butte.

Panorama “Butte”

Er zeigt uns aber auch Orte, die sich verändern: der Potsdamer Platz als Riesenbaustelle im Berlin nach der Wiedervereinigung. Ebenso den sich entwickelnden Osten Deutschlands zu jener Zeit. Oder Aufnahmen von Ground Zero, gerade einmal ein paar Monate nach den Terroranschlägen des 11. September 2001. Letztere hat er übrigens als „Assistent“ von Joel Meyerowitz fotografiert, der damals der einzig offiziell zugelassene Fotograf auf dem New Yorker Gelände war.

“Ground Zero”, New York City, 2011.

“Ground Zero”, New York City, 2011.

Für mich als Straßenfotograf ist beeindruckend, wie viel Geschichte und Geschichten Wenders in seinen Fotografien packt. Wie viel menschliche Anwesenheit zu spüren ist, obwohl keine Personen abgebildet sind. Und das ist genau der Punkt, den ich für meine Straßenfotografie aus dem Werk von Wenders mitnehme: Fotos brauchen starke Geschichten, starke Inhalte. Personen sind oftmals nicht notwendige Zutat, auch Orte und Objekte können viel erzählen. Alle kompositorischen Mittel unterstützen dann nur noch die Wirkung der Geschichten.

"Entrance" Houston 1983

“Entrance” Houston 1983

"Entrance" Houston 1983

“Two Cars and a Woman Waiting” Houston 1983

Meine Lieblingsmotive der Ausstellung sind dann aber doch zwei Aufnahmen aus städtischer Umgebung: „Two Cars and a Woman Waiting“ und “Entrance”, die ein Parkhaus und die davor verlaufende Straße in Houston 1983 zeigen. Und eben jenes Fotoaus dem Parkhaus erinnert mich durch ihre Schablonenhaftigkeit stark an Arbeiten meines Vorbilds Saul Leiter (siehe dieser Post).

Die Ausstellung im Düsseldorfer Museum Kunstpalast ist am 30.08.2015 zu Ende gegangen, der 352seitige Ausstellungskatalog ist aber natürlich noch online zu erhalten (zum Beispiel bei Amazon).

Abschliessend noch zwei Videos: zum einen das offizielle Video zur Ausstellung und zum anderen ein Interview von arte mit dem Ehepaar Wim und Donata Wenders zum Thema Fotografie.

Sven Hoffmann, September 2015

 

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